Unserer Dirigent

    Am 1. Oktober 2010 waren es 25 Jahre, dass Kazuo Kanemaki dem Seemanns-Chor Hamburg als neuem Leiter vorgestellt und empfohlen wurde. „Man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören können, so still und gespannt waren wir“ erinnert sich noch heute ein Sänger, der damals den ersten Auftritt des jungen Mannes miterlebte. Aus dem erwartungsvollen Respekt vor dem neuen Chorleiter ist im Laufe der Jahre ein kameradschaftlich herzliches Miteinander geworden; 2011 wird Kazuo Kanemaki der am längsten beim Seemanns-Chor amtierende Chorleiter sein.

Seit 1985 Leiter des Seemanns-Chores

      Durch Musik und Gesang den Menschen Spaß und Freude zu vermitteln ist das ständige Bemühen Kanemakis, für dessen erste Versuche Fotos des damals etwa 5-jährigen Knirpses mit einem Taktstock zeugen. Zielstrebig baute er das Talent nach seinem Abitur mit dem Studium für Horn und Klavier an der Musikhochschule in Tokio aus und wurde als Hornist Mitglied des „Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra“, dem er von 1972 bis 1974 angehörte.

      Grenzenlose Neugier auf das Land der größten Komponisten, Dichter und Denker veranlassten Kanemaki, seinen beruflichen Weg in Hamburg fortzusetzen. Mit Klavierstunden und als Tellerwäscher in einem japanischen Restaurant verdiente er sich seinen Lebensunterhalt während seines Studiums der Musikwissenschaft 1975 und 1976 an der Hamburger Universität. Ab 1977 studierte Kazuo Kanemaki das Hauptfach „Dirigieren“ mit Abschluss 1984 an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und hatte dort u.a. in Wilhelm Brückner-Rüggeberg und Horst Stein auch international hoch angesehene Lehrer. Gleichzeitig war er Assistent beim Hamburger Jugendorchester und wandte sich der Chormusik zu.

Mit seiner dynamischen Art begeistert Kazuo Kanemaki

Chor, Orchester und Publikum gleichermaßen

     Bis zu 8 Chöre leitet Kanemaki zwischenzeitlich in und um Hamburg und kennt auch bei der Zahl der Sänger keine Grenzen: über 16.000 bildeten 1996 und 1998 im Hamburger Hafen den „Größten Shantychor der Welt“ und verhalfen zur Eintragung im „Guinness-Buch der Rekorde“.

     Seine Leidenschaft jedoch gehört der klassischen Musik, bevorzugt Beethovens 9. Sinfonie, die durch den Einsatz von Gesangssolisten und gemischtem Chor seiner Intensität besonders nahe kommt und die er auch ohne Partitur dirigiert. Seit Jahren hat Kazuo Kanemaki über Hamburgs Grenzen hinweg Zugang zu den großen Konzertsälen z.B. in Berlin und Tokio und ist inzwischen ständiger Gastdirigent beim „sinfonie orchester berlin“.

     Hier in der Hansestadt fühlt Kanemaki sich wohl „wie in einem Urlaub“, wie er schwärmerisch erzählt. Wer eine so enge Beziehung zu seiner Wahlheimat aufgebaut und so große Verdienste um den Seemanns-Chor hat, ist natürlich Ehrenmitglied im „Verein der Hamburger“. Die verdiente Ehrung für sein kulturelles Engagement in Hamburg wurde Kanemaki mit der Verleihung des silbernen „Portugalesers BÜRGER DANKEN“ im Jahr 2001 zuteil. 

     Nach einem entspannenden Spaziergang an der Elbe mit seiner Frau Saeko geht er auch gern  seinem Hobby nach und komponiert: aus dem, was der häusliche Kühlschrank hergibt, wird meist eine delikate Mahlzeit nach europäischer Art!

TH 12/2010